Aconitum napellus

Hahnenfußgewächse

Bestimmungsmerkmale

 

Der Blaue Eisenhut hat dunkelblaue Blüten, die in einer dichten, endständigen Traube sitzen.

Das obere Blütenblatt gleicht einem Helm und ist breiter als hoch. Die Laubblätter sind

handförmig 5 - 7fach geteilt. Die Pflanze wird 50 - 150 cm hoch und blüht von Juni -

September. Eisenhut hat viele Unterarten und Züchtungen. Ein, in unseren Breiten

vorkommender Verwandter ist der Wolfs- Eisenhut (A.lycoctonum), er blüht gelb.

Standort und Verbreitung:

 

Der Blaue Eisenhut wächst auf feuchten Weiden, Hochstaudenfluren und in höheren

Berglagen. In den Alpen findet man die Pflanze bis zu einer Höhe von 2500 m. Er bevorzugt nährstoffreiche Böden und hat sein Verbreitungsgebiet in Mittel- und Westeuropa. Man findet

ihn in den Pyrenäen und auch noch in Südskandinavien. Der Blaue Eisenhut und seine Zuchtvariationen sind auch beliebte Gartenpflanzen, wohl vielfach in Unkenntnis seiner

starken Giftigkeit angepflanzt.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:

 

Eisenhut ist die giftigste Pflanze Europas. Er enthält vorwiegend in den Knollen, aber auch

sonst in der ganzen Pflanze das stark wirksame Alkaloid Aconitin. Schon wenige Gramm der

Pflanze (entsprechend 3 - 6 mg Aconitin) können für einen Erwachsenen tödlich wirken. Das

Gift ist auch in der Lage durch die Haut einzudringen. Somit sind insbesondere Kinder

gefährdet, die beim Spiel Pflanzenteile abpflücken und verschlucken.

Vergiftungserscheinungen zeigen sich schon nach 10 -

20 Minuten. Zuerst tritt ein Kribbeln im Mund, in Fingern und an den Zehen auf. Es kommt

zu Schweißausbrüchen und Erbrechen, starken Koliken und Durchfällen. Die

Körpertemperatur sinkt ab, die Atmung wird unregelmäßig, der Blutdruck sinkt, der Tod

erfolgt durch Herzversagen oder Atemstillstand. Der Exitus erfolgt bei starker Vergiftung

schon nach 30 - 45 Minuten. Der Patient ist die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein und leidet

stärkste Schmerzen.

 

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:

 

Medizinisch wird der Eisenhut bei Nervenschmerzen, Rheumatismus, Herzbeutelentzündung

und Rippenfellerkrankungen eingesetzt. Da die Dosierung mit Pulver, Tinktur und Salbe

unsicher ist, verwendet man immer mehr das reine Aconitin. In der Homöopathie setzt man

eine Tinktur aus Aconitum bei Bronchitis, Ischias und Herzbeutelentzündungen ein.

 

Name:

 

Der Eisenhut wurde auch Sturmhut, Helmgiftkraut, Mönchskappe und Kappen- Blume

genannt. Diese Namen beziehen sich alle auf die Blütenform der Pflanze. Weitere

Bezeichnungen waren Fuchswurzel, Wolfsgift und Teufelswurz. Der Gattungsname

Aconitum kommt vom griechischen enakoneios” und bedeutet auf schroffen Felsen

wachsend, womit er auf das Vorkommen der dort heimischen Arten verweist. Der Artname napellus

ist eine Verkleinerungsform von napus der Rübe und bezieht sich auf das Aussehen der Wurzel.

Geschichtliches:

In der griechischen Sage wird berichtet, dass der Eisenhut aus dem Speichel des dreiköpfigen

Cerberus entstand, als dieser von Herkules aus der Unterwelt geholt wurde. Menschlicher und

tierischer Speichel wurde damals für giftig gehalten, und je scheußlicher eine Kreatur war, um

so giftiger galt auch ihr Speichel. Im antiken Griechenland war es der Bevölkerung verboten,

den Eisenhut anzupflanzen, in den staatlichen Gärten indes wurde er allerdings gehalten.

Dioscurides schreibt über den Eisenhut: “Derselbigen gebraucht man zum Wolfsfang, denn

wenn man die Wurzeln in das rohe Fleisch steckt und die Wölfe das Fleisch mit den Wurzeln

fressen, pflegen sie davon zu sterben.” Von Plinius d. Ä. . wurde der Eisenhut als pflanzliches

Arsen bezeichnet. In der Antike und im Mittelalter waren Giftmorde mit Aconitin sehr häufig,

es war damals das am meisten gebrauchte Mordgift. Ein Giftanschlag auf den Propheten

Mohammed im 7. Jahrhundert schlug fehl, da er den bitteren Geschmack sofort bemerkte. Er

soll aber, so schreibt die Sage, 3 Jahre später dann doch an den Folgen des Giftes gestorben

sein. Auch der römische Kaiser Claudius und Pabst Hadrian VI sollen mit Eisenhut vergiftet

worden sein. Aconitin wurde von vielen Kulturen als Pfeilgift gebraucht, so auch im 15.

Jahrhundert von den Mauren während ihrer Kämpfe gegen die Spanier.

Im alten Griechenland richtete man auch Verbrecher mit dem Gift hin, wobei Eisenhut nur

den Delinquenten verabreicht wurde, die besonders schwere Verbrechen begangen hatten, da

der Tod mit Aconitin besonders grausam ist. Im Kräuterbuch des Tabernaemontanus lesen

wir: “Es ist diß Kraut (vor allen anderen Gewächsen / das ärgste Gifft / dann es) also gifftig /

daß auch der beste Theriak oder Mithridat* nichts dargegen schaffen kan / derowegen

diejenigen / so diß Kraut im Garten wachsen haben / fleißig achtung geben sollen / damit diß

gifftige und tödliche Kraut nicht unter andere Kochkräuter genommen werde / dann es den Menschen in kurzer Zeit ums Leben bringe.” Mattioli beschrieb 1586 den Eisenhut damit, daß

dieser “ein gewaltig tödlich Gifft sey, das sich fast mit keiner Artzney vertreiben läßt”. Es

wird auch berichtet, daß Roßhändler den Tieren die Pflanze zu fressen gaben damit diese

schön feurig wurden.

Der Eisenhut ist geschützt!