Frangula alnus
Kreuzdorngewächse
BestimmungsmerkmaleDer Faulbaum wächst als Strauch bis zu 4 m hoch. Seine Blüten sitzen unscheinbar
doldenförmig zu 2-10 in den Blattachseln. Sie sind weiß, manchmal auch grünlich gefärbt und erscheinen von Mai - Juni. Die Frucht ist eine 5-8 mm große, erste rote, später dunkelblaue
Beere. Die Laubblätter des Faulbaums sind wechselständig und einförmig, die Seitennerven
an den Blattunterseiten, jeweils 7- 12 Stück, sind stark ausgeprägt. Der Strauch trägt keine
Dornen. Ähnlich in Aussehen und Wirkung ist auch der Kreuzdorn (Rhamnus catharticus). Er
hat im Gegensatz zum Faulbaum Dornen und ist viel seltener.
Standort und Verbreitung:
Faulbaum wächst in lichten Laubwäldern, in Erlenbrüchen, Birkenmooren und Auwäldern. Er
benötigt, ebenso wie der Kreuzdorn feuchten Boden. Sein Verbreitungsgebiet ist fast ganz
Europa.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Vorwiegen in der Rinde und in den Beeren des Faulbaums findet man verschiedenen
Glycoside, unter anderem das Glucofrangulin. Die Beeren und die frische Rinde bewirken
Koliken, starke, teilweise blutige Durchfälle und Erbrechen. In schweren Fällen kann es auch
zum Kollaps kommen. Die Beeren stellen für Kinder eine besondere Gefahr dar.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Die Faulbaumrinde wird bei chronischer Verstopfung angewendet. Sie muss aber ein Jahr vor
ihrer Benutzung gelagert werden, da die frische Droge eine zu starke Wirkung hätte und so zu Vergiftungen kommen kann. Beim Kreuzdorn verwendet man die Früchte, die ebenfalls
abführend wirken.
Name:
Ihres fauligen Geruchs wegen nannte man die Pflanze Faulbaum. Weitere Namen sind
Stinkboom, Pulverbaum, Fulholz und Hundsbaum. Der Gattungsname Frangula leitet sich
vom lateinischen Wort frangere für brechen ab und bezieht sich auf die Brüchigkeit des
Holzes. Der Artname alnus weist auf die erlenförmigen Blätter. Ein weiterer
wissenschaftlicher Name ist Rhamnus frangula. Der Kreuzdorn erhielt seinen Namen, weil
seine Dornen mit den Ästen zusammen in Kreuz bilden.
Er wurde auch Färberbaum, Amselkirsche, Hexendorn, Blasenbeere, und Hundsbeere
genannt. Der Gattungsname Rhamnus leitet sich wahrscheinlich von dem keltischen Wort ram
für Dornbusch oder Gesträuch ab. Der Artname cathartica kommt aus dem griechischen und
bedeutet abführend und reinigend (kathairein - reinigen).
Geschichtliches:
Der Faulbaum war schon Plinius und Dioscurides bekannt, sie nannten sie Rhamnos.
Faulbaumrinde wurde im Jahre 1305 das erst Mal als Abführmittel erwähnt und wurde im 17.
und 18. Jahrhundert zusätzlich als Brechmittel eingesetzt. Man gebrauchte die Droge damals
sehr häufig. Kreuzdorn fand schon im 9. Jahrhundert Verwendung. Im Mittelalter nutzte man
ihn als Färbemittel. Tabernaemontanus empfiehlt den Faulbaum bei Milz-, Galle- und
Leberleiden, gegen faules Zahnfleisch und Zahnschmerzen sowie bei Krätze.