Agrostemma githago
Nelkengewächse
Bestimmungsmerkmale:
Die Kornrade hat rote bis purpurfarbene (seltener weiße) Blüten mit 5 Blü-tenblättern. Unter
der Blüte sitzt ein bauchiger Kelch dessen längliche Zipfel die Blüte um mehr als das doppelte überragen. Der Stengel ist filzig behaart und hat linealförmige Blätter, die sich paarweise gegenüberstehen. Die Pflanze wird 30 - 100 cm hoch und blüht von Juni - Juli.
Standort und Verbreitung:
Die Kornrade ist in letzter Zeit sehr selten geworden. Sie war auf Getreideäckern zu finden
und wurde durch Unkrautvernichtungsmittel und Saatgutreinigung so stark dezimiert, daß sie
nahezu ausgestorben ist. Sie hat ihre Heimat wahrscheinlich im östlichen Mittelmeergebiet
und wurde durch den Getreideanbau in ganz Europa verbreitet. Samen der Kornrade werden neuerdings in Gärtnereien angeboten, daher ist sie hin und wieder als Zierpflanze anzutreffen.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Die Kornrade enthält vorwiegend in den Samen Triterpensaponine. Die Vergiftungssymptome
sind Kratzen in Mund und Rachen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kreislaufstörungen. In schweren Fällen kann sogar der Tod durch Atemlähmung erfolgen.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Die Pflanze wurde in der Volksheilkunde bei Magenkatarrhen und Hautleiden angewandt,
was allerdings oft zu Vergiftungen führte. Heute findet sie keine medizinische Anwendung
mehr.
Name:
Mit Rade wurde die Pflanze schon im Mittelalter bezeichnet. Weitere Namen waren
Schwarzer Ackerkümmel, Rote Kornblume, Roggenrose sowie Kornnelke. All diese Namen
weisen darauf hin, dass die Kornrade eine Ackerblume ist. Ihrer Giftwirkung wegen wurde sie
aber auch Höllenkorn genannt. Der Gattungsname Agrostemma setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort agros für Acker und stemma für Kranz, ein Hinweis, daß die Pflanze zum
Winden von Kränzen benutzt wurde. Der Artname githago weist auf die Ähnlichkeit der Kornradensamen mit denen des Schwarzkümmels hin, der den griechischen Namen gith trug.
Geschichtliches:
Früher, als die Kornraden noch ein häufiges Ackerunkraut waren, kam es durch Vermischung
mit dem Korn nicht selten zu Vergiftungen. Sie diente im Mittelalter aber auch als Arzneipflanze.Hieronymus Bock erwähnte sie, wie auch Adam Lonitzer, der da schreibt:
“Raden in ein Glaß gethan / mit Wein gesotten / und den getruncken / gut denjenigen / so
schwerlich harnen. Raden in ein Tüchlein gethan / und für die Nase gehalten / benimmt den Schnupffen und Fluß des Haupts. Raden mit Essig gesotten / im Mund gehalten / benimmt das Zahnwehe.” In manchen Gegenden mischte die Bauern auch beim destillieren von Korn-
branntwein die Kornradensamen dazu, da auf diese Weise mehr Branntwein gewonnen wurde,
als aus reinem Roggen.
Die Kornrade ist geschützt!